Ein anderes Hohes Friedensfest als bisher

Augsburger Friedensfest vor Corona-Zeiten

© epd-bild/Annette Zoepf

Friedenstafel beim Hohen Friedensfest im Annahof in Augsburg vor der Corona-Zeit. Das Augsburger Hohe Friedensfest ist ein weltweit einzigartiger Feiertag, der dieses Jahr in abgespeckter Form und ohne Friedenstafel stattfnden wird.

Ein anderes Hohes Friedensfest als bisher
Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Augsburgs Extra-Feiertag
Abgespeckter, ohne Friedenstafel und in ungewohnten Formaten findet das Hohe Friedensfest in Augsburg unter dem Motto "Rituale" dieses Jahr statt. Das vorhergehende Kulturprogramm auf der Sommerbühne im Augsburger Annahof hatte viel Zulauf.

Nur noch wenige Tage, bis das diesjährige Hohe Friedensfest in Augsburg gefeiert wird - anders als bislang dank Corona. Statt der großen Friedenstafel am 8. August soll es in diesem Jahr Friedenspicknicks geben, die große Friedenstafel und das Kinderfriedensfest fallen - in ihrem bisherigen Format - aus. Am Abend vor dem Feiertag findet das multireligiöse Friedensgebet mit einer Delegation des Runden Tisches der Religionen statt, beim Gottesdienst am 8. August predigt der evangelische Oberkirchenrat Michael Martin.

Und es gibt wieder einen Friedenspreisträger: Seit 1985 vergibt die Stadt Augsburg im Drei-Jahre-Rhythmus den Preis Augsburger Friedensfest - gemeinsam mit der bayerischen evangelischen Landeskirche. Der mit 12.500 Euro dotierte Preis zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um ein tolerantes und friedvolles Miteinander der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben. Der Preisträger wird am 8. August im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses von Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) bekannt gegeben, der evangelische Regionalbischof Axel Piper wird die Wahl des Preisträgers begründen. Die feierliche Preisverleihung findet traditionell im Herbst statt.

Auch das beliebte Kinderfriedensfest kann wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Aus diesem Grund hat das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt unter dem Motto #friedenteilen eine Malaktion gestartet. Dabei sind Kinder und Familien aufgerufen, ihre persönlichen Friedensgrüße festzuhalten, indem sie auf die Postkarten ihr persönliches Friedensbild malen oder ihre Wünsche schreiben. Leitgedanken dazu könnten Fragen sein wie "Was bedeutet euch Frieden?" oder "Wie sieht Frieden aus?"

Dem Hohen Friedensfest geht seit Mitte Juni ein Kulturprogramm voraus, das nicht nur wegen des schönen Wetters gut bei den Besuchern im Annahof ankommt: "Viele Veranstaltungen waren ausgebucht oder ausverkauft, und es gab wetterbedingt nur wenige Absagen", sagt Pfarrer Martin Beck, Leiter des Evangelischen Forums Annahof, das zusammen mit dem Dekanat und der Stadt das Programm auf die Beine gestellt hat. Es begann am 24. Juni mit dem Berliner Tanztheater Baba Murah und setzt sich künstlerisch und gesellschaftspolitisch mit aktuellen Themen und Dynamiken in heterogenen Gesellschaften auseinander.

Vielfältiges Kulturprogramm

"Mein persönliches Highlight war die Veranstaltung 'Endlich ich!' mit dem transsexuellen Pfarrer Sebastian Wolfrum", sagt Beck. Wolfrum war früher eine Frau und hieß mit Vornamen Silke, sein Coming-Out im Herbst 2017 sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. "Es gab viele Fragen im Anschluss und viele Reaktionen wie etwa: Toll, dass dies auf der Bühne in der Öffentlichkeit stattfand, und toll, dass so etwas in der evangelischen Kirche möglich ist", erklärt Martin Beck.

Noch bis 15. August läuft das Kulturprogramm weiter mit Gesprächen, Konzerten, Performances, Theater oder Workshops - alles thematisch unter der Rubrik "Rituale". "Rituale gibt es in allen Gesellschaften, in allen Gruppen und Familien; und auch allein werden Rituale praktiziert", sagt Tina Bühner vom Friedensbüro im Kulturamt.

Inwiefern beeinflussen sie unser Leben und unseren Alltag? Was sind überhaupt Rituale? Was unterscheidet sie von (überkommenen) Bräuchen und Regeln, von Routinen, Zeremonien oder Etikette? Was drücken sie aus? Sind sie ein Hindernis, oder schweißen sie Gemeinschaften erst richtig zusammen? All dem spürte und spürt das Friedensfest-Programm an mehreren Orten in der Fuggerstadt Augsburg nach, drinnen und vor allem draußen.

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Tickets gibt es nur im Vorverkauf unter www.sommerbuehne-annahof.reservix.de/events oder über die Hotline: Tel. (0180) 6700733. Keine Abendkasse! Für Veranstaltungen der jeweiligen Kooperationspartner läuft die Anmeldungen direkt über die jeweiligen Veranstaltenden. Alle einzelnen Infos jeweils unter www.friedensstadt-augsburg.de

Das Hohe Friedensfest in Augsburg ist seit 1950 ein gesetzlicher, auf die Stadtgrenzen Augsburgs begrenzter und weltweit einzigartiger Feiertag des Friedens. Seinen Ursprung hat er im Jahr 1650, als die Protestanten Augsburgs erstmals ihre im Augsburger Religionsfrieden (1555) formulierte und im Westfälischen Frieden (1648) schließlich errungene Gleichberechtigung mit der römisch-katholischen Kirche feierten, nachdem ihnen am 8. August 1629 die Ausübung ihres Glaubens offiziell untersagt wurde.

"Die Herausforderungen, die sich damals mit der Koexistenz der beiden christlichen Konfessionen verbanden, liegen für die Stadt Augsburg mit ihren über 40 Prozent Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte heute in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Vielfalt. Diese aktiv zu gestalten versteht die 'Friedensstadt Augsburg' als Auftrag, der sich aus ihrem besonderen historischen Erbe ableitet", schreiben die Stadtverantwortlichen dazu auf ihren Internetseiten.

Im Jahr 2018 wurde das Hohe Friedensfest zusammen mit weiteren Kulturformen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Zuvor war es Anfang 2018 bereits als immaterielles Kulturerbe in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen worden. Im Oktober 2019 erhielt das Augsburger Friedensfest zudem den Heimatpreis Bayern.