Bischof Dröge fordert entschiedene Haltung gegen Antisemitismus

Bischof Dröge fordert entschiedene Haltung gegen Antisemitismus
Der Berliner Bischof Markus Dröge hat die Christen in seiner Karfreitagspredigt zu einer klaren Haltung gegen Antisemitismus aufgerufen. Der Karfreitag sei lange Zeit der Tag gewesen, an dem die Mauer zwischen Christen und Juden besonders gefestigt wurde, sagte Dröge laut Redemanuskript in einem Karfreitagsgottesdienst in der Berliner Marienkirche. "Hier wurde von christlichen Kanzeln Hass gegen Juden verbreitet." Passionszeit habe in großen Teilen Europas Pogromzeit bedeutet. 

"Es ist und bleibt erschreckend, dass die Christenheit lange Jahrhunderte aus dem Triumph Gottes über den Tod den eigenen Triumph über das Judentum abgeleitet hat - und vergessen hat, dass Gottes Triumph immer der Triumph der Liebe über den Hass ist", sagte Dröge. "Umso mehr haben wir uns heute dem angestiegenen Antisemitismus mit Entschiedenheit entgegenzustellen."  

Die frohe Botschaft des Evangelisten Johannes am Karfreitag, dass die Macht des Todes gebrochen ist, habe auch eine dunkle Seite, saget Dröge. Das Johannesevangelium gelte unter den Evangelien als besonders judenfeindlich. Die Gegner Jesu würden pauschal als "die Juden" bezeichnet, obwohl doch auch Jesus und seine Jünger Juden waren. Die Juden würden von Johannes als diejenigen dargestellt, die schuld seien am Tod Jesu. 

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Die Lektion von Karfreitag sei heute, standzuhalten, wo gelitten und gestorben wird, sagte der Bischof. Den Blick auf das Leiden anderer zu richten, sei nicht beliebt, und gelte für manche als nicht opportun. Je nach politischer Prägung wollten die einen nicht das Leiden an der Mauer zwischen Mexiko und den USA sehen, die anderen nicht das Leiden an der Mauer zwischen Israel und Palästina, und wieder andere wollten nach 30 Jahren nichts mehr vom Leiden der Menschen an der Berliner Mauer hören. "Karfreitag lehrt uns hinzuschauen, ohne Unterschiede zu machen", sagte Dröge. "Denn in den Augen Gottes ist jedes menschliche Leiden ein Skandal."