Anne Schneider bleibt bei Forderung nach assistiertem Suizid

Anne Schneider, Ehefrau des ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.

© epd-bild/Norbert Neetz

Anne Schneider, Ehefrau des ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bleibt bei ihrer Forderung nach einer Erlaubnis ärztlicher Hilfe bei der Selbsttötung.

Anne Schneider bleibt bei Forderung nach assistiertem Suizid
Knapp fünf Jahre nach ihrer Krebsdiagnose bleibt die Frau des früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anne Schneider, bei ihrer Forderung nach einer Erlaubnis ärztlicher Hilfe bei der Selbsttötung.

"Ich plädiere für die rechtliche Möglichkeit eines ärztlich assistierten Suizids", erklärt Schneider im am Montag erschienenen Buch "Vom Leben und Sterben". Dies gelte unabhängig von dem, "was ich selber vielleicht tun oder vielleicht nicht tun will", erklärt sie darin weiter. Menschen sollten ihr Leben in einer menschenwürdigen Weise beenden können, begründet sie ihre Forderung.

Wegen der Brustkrebserkrankung seiner Frau Anne hatte der damalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider im Sommer 2014 vorzeitig sein kirchliches Amt niedergelegt. Während der beginnenden politischen Debatte über ein Verbot organisierter Hilfe beim Suizid trug das Ehepaar damals öffentlich in Interviews eine Kontroverse aus: Anne Schneider plädierte für die Suizidassistenz, bei der ein Arzt, Angehöriger oder Außenstehender dem Sterbewilligen ein tödliches Mittel überlässt. Nikolaus Schneider vertrat die Position der Kirchen in Deutschland, wonach das nicht erlaubt sein sollte.

Bis heute bleibt das Ehepaar geteilter Meinung. Seine zurückhaltende Einstellung im Blick auf das Recht des Menschen zur Selbsttötung und auf die gesetzliche Freigabe eines von Ärzten assistierten Suizids habe sich in den vergangenen Jahren bestätigt, erklärt Nikolaus Schneider in dem Buch. Zur menschlichen Demut vor Gott gehöre für ihn die grundsätzliche Einschränkung menschlicher Autonomie.

Das Buch "Vom Leben und Streben" ist ein Gespräch zwischen Anne und Nikolaus Schneider sowie dem Autor Wolfgang Thielmann. Gemeinsam reflektieren sie dabei Fragen von Glauben, Menschenwürde und dem Umgang mit Sterben und Trauer.

Mehr zu assistierter Suizid
Tabletten und Richterhammer
Nach dem Scheitern des Sterbehilfegesetzes bleibe der rechtliche Rahmen, wann und wie Sterbehilfe zulässig sei, weiterhin unklar, sagte der Theologische Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe dem epd.
"Sterbehilfe-Set", das in belgischen Aphotheken erhältlich ist
Die christlichen Kirchen wollen einen neuen Anlauf zur Regelung der Sterbehilfe nach dem Scheitern der Gesetzesvorschläge im Bundestag. "Einer gesetzlichen Regelung der Suizidassistenz bedarf es weiterhin", so EKD-Ratsvorsitzende Kurschus.

Das Buch:

Anne und Nikolaus Schneider im Gespräch mit Wolfgang Thielmann: "Vom Leben und Sterben - Ein Ehepaar diskutiert über Sterbehilfe, Tod und Ewigkeit", Neukirchener Verlagsgesellschaft