"Hohepriester" im Rosenmontagszug

Toleranzwagen

© epd-bild/Hans-Jürgen Bauer/Jacques Tilly

Entwurf des Karnevalswagenbauers Jacques Tilly für den "Toleranzwagen" der evangelischen, jüdischen, katholischen und muslimischen Religionsgemeinschaft für den Rosenmontagszug 2019 in Düsseldorf.

"Hohepriester" im Rosenmontagszug
Ein als "Jüdischer Hohepriester" kostümierter Karnevalist wird beim Düsseldorfer Rosenmontagszug auf dem "Toleranzwagen der Religionen" durch die Straßen ziehen. Die Kostüme der anderen Religionsvertreter wurde noch nicht bekanntgegeben.

Im Gewand des Hohepriesters aus dem Film "Das Leben des Brian" stecke der Brauchtumsmanager der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Walter Schuhen, teilten die Veranstalter am Mittwoch mit. Juden, Katholiken, Muslime und Protestanten organisieren den "Toleranzwagen" gemeinsam.

Wie sich die übrigen insgesamt 31 Mitglieder auf dem "Toleranzwagen" kostümieren, ist noch unbekannt. Jede der vier Religionsgemeinschaften schickt sieben Personen auf den Wagen. Sie werden laut dem Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise, "Normal-Kamellen, aber natürlich auch koscheres und Halal-Wurfmaterial" verteilen.

Christen, Juden und Muslime auf einem Wagen

Der Wagenbauer und Künstler Jacques Tilly hat den zehn Meter langen "Toleranz-Wagen!" im Auftrag der Jüdischen Gemeinde, der evangelischen und katholischen Kirchen sowie dem Dachverband der muslimischen Gemeinden in Düsseldorf gestaltet. An den Seiten sind drei lachende männliche Vertreter und eine weibliche Geistliche der vier Religionsgemeinschaften zu sehen. Zudem sind die vier Religionssymbole sowie jeweils ein typisches Gotteshaus abgebildet.

Über allem schwebt das Düsseldorfer Sessionsmotto "Gemeinsam jeck". Wagenbauer Tilly sagte bei der Präsentation, dass der Wagen eigentlich "Akzeptanz" hätte heißen müssen: "Denn Toleranz heißt ja nur, dass wir die anderen dulden." So einen Wagen habe es bisher noch nicht gegeben, betonte der Künstler. Der Toleranzwagen sei vor allem "eine Absage an jede Art von Antisemitismus, Rassismus und Fanatismus". Die vier teilnehmenden Religionen erklärten damit übereinstimmend, dass sie noch andere Sichtweisen auf Gott als die eigene akzeptierten.

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