Evangelische Frauen sind gegen Spahns Abtreibungs-Studie

Jens Spahn

Foto: Britta Pedersen/dpa

Evangelische Frauen positionieren sich gegen die Abtreibungs-Studie von Jens Spahn.

Evangelische Frauen sind gegen Spahns Abtreibungs-Studie
Die evangelische Frauenvereinigung wendet sich gegen die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geforderte Abtreibungs-Studie.

"Die Evangelischen Frauen in Deutschland sehen in dieser Studie keinen Sinn. Sie stellt - im Gegenteil - einen Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht von Frauen dar", sagte die Vorsitzende des Verbands, Susanne Kahl-Passoth, am Freitag in Hannover. Mit der Studie werde der Eindruck erweckt, dass Frauen leichtfertig mit einer Entscheidung für einen Abbruch umgingen.

Die von Spahn geplante Studie ist Teil des Regierungskompromisses im Streit um das Werbeverbot für Abtreibungen. Das Kabinett hatte in der ersten Februarwoche die Änderung des Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch beschlossen. Demnach bleibt das Werbeverbot für Abtreibungen weiterbestehen, Ärzte dürfen aber - etwa auf ihren Internetseiten - angeben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Informationen zu dem Eingriff sollen aber nur staatliche Behörden veröffentlichen dürfen.

Mehr zu Abtreibung
Junge Frauen demonstrierten im Mai 2022 vor dem Brandenburger Tor für das Recht auf Abtreibung
Die Evangelische Kirche will Abtreibung weitgehend entkriminalisieren. Das gefällt konservativen Christen nicht. Im obersten Kirchenparlament wird darüber heftig debattiert.
Delegierte im Plenum der EKD-Synode 2023 in Ulm
Bei der Synode der evangelischen Kirche steht das Werben um den Glauben im Mittelpunkt. Am ersten Tag gab es klare Worte zu Antisemitismus und zur Asyldebatte. Für Kontroversen sorgte eine mögliche Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs.

Spahn will nun eine Studie in Auftrag geben lassen, die die Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen für betroffene Frauen untersucht. Fünf Millionen Euro soll er aus dem Bundeshalt dafür erhalten. "Das ist ein hoher Preis für den Kompromiss zum Paragrafen 219a", sagte Kahl-Passoth. Stigmatisierung oder eine durch einen Partner erzwungene Abtreibung könnten psychische Folgen haben. "Das alles ist ausreichend erforscht und belegt", betonte sie.

Der Verband Evangelische Frauen in Deutschland mit Sitz in Hannover ist als Dachverband die Stimme evangelischer Frauen in Kirche und Gesellschaft. Mit frauenspezifischer Kompetenz und Sicht setzt der Verband theologische, spirituelle, sozialdiakonische und politische Impulse. Der Verband hat 39 Mitgliedsorganisationen mit rund drei Millionen Mitgliedern.