UN: Hälfte der Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht

Ein unterernährtes Kind

© Mohammed Mohammed/XinHua/dpa

Ein unterernährtes Kind liegt in einem Krankenhaus in Hudaida im Jemen-

UN: Hälfte der Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht
Schon jetzt hungern viele Jemeniten, vor allem Kinder und Alte sterben an Mangel. Bald könnten 14 Millionen Menschen betroffen sein, die Hälfte der Bevölkerung in dem Kriegsland. Menschenrechtler machen Deutschland für das Leid mitverantwortlich.

Im Jemen droht laut UN eine Hungersnot dramatischer Ausmaße. Rund 14 Millionen Menschen, also die Hälfte der Bevölkerung des Konfliktlandes, könnten in Kürze betroffen sein, erklärte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Dienstag (Ortszeit) in New York vor dem Weltsicherheitsrat. Die Versorgungsknappheit sei schockierend, mahnte er. Sie könnte alles, was Helfer in ihrem Arbeitsleben je erlebt hätten, noch einmal in den Schatten stellen.

Tausende Menschen wurden bereits getötet

Seit rund drei Jahren herrscht Krieg im Jemen. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz unterstützt dabei die jemenitische Regierung im Kampf gegen Huthi-Rebellen, die wiederum Rückendeckung aus dem Iran erhalten. Tausende Menschen wurden bereits getötet. Lowcock verlangte von Saudi-Arabien und den anderen Konfliktparteien eine humanitäre Waffenruhe. Die Kämpfe rund um die Einrichtungen und Transportwege, die für die Lieferung von Lebensmitteln nötig seien, sollten ausgesetzt werden. Nur so könnte eine Katastrophe verhindert werden.


Der Brite betonte, dass vor allem Kinder, alte und schwache Menschen die Leidtragenden seien. Nach Schätzungen verlören pro Tag 130 Kinder unter fünf Jahren wegen Lebensmittel-Mangels und Krankheiten in dem arabischen Land ihr Leben - das seien fast 50.000 Mädchen und Jungen pro Jahr.

Hohe Dunkelziffer bei den Todesfällen

Lowcock hielt fest, dass Millionen Menschen nur so viel zu essen hätten, um gerade so zu überleben. Ein gesundes, aktives Dasein sei unmöglich. Der Hilfskoordinator verwies auch auf die hohe Dunkelziffer bei den Todesfällen. Etliche Jemeniten seien zu schwach, um die wenigen funktionierenden Gesundheitseinrichtungen zu erreichen. Diese Menschen verhungerten zu Hause und würden oft nicht als Opfer der Krise erfasst.

Lowcock machte für die Verschärfung der Lage zwei Gründe aus. Zum einen tobten immer heftigere Kämpfe um die Hafenstadt Hodeidah, über die die meisten Lebensmittelimporte und Hilfseinfuhren in den Jemen abgewickelt werden. Zum anderen sei die Volkswirtschaft des Landes aufgrund der anhaltenden Gewalt zusammengebrochen.

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Menschenrechtler machen auch Deutschland für das Leid im Jemen mitverantwortlich, weil es Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien exportiert. Im vergangenen Jahr wurden laut Rüstungsexportbericht insgesamt 129 Genehmigungen für Lieferungen in das Königreich erteilt: unter anderem für Patrouillenboote und Teile gepanzerter Fahrzeuge. Insbesondere die Patrouillenboote stießen angesichts der Seeblockade des Jemens durch die saudische Militärkoalition auf massive Kritik.

Internationale Friedensbemühungen scheiterten mehrfach. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien vor, Kriegsverbrechen zu verüben. Allein seit Ende Mai wurden laut den UN mehr als 5.000 verschiedene schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht erfasst, darunter Angriffe auf Krankenhäuser, Märkte, Wasserwerke und andere Infrastruktureinrichtungen.