Käßmann kritisiert Bundestagswahlkampf
Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat den beendeten Bundestagswahlkampf als lahm und zäh kritisiert.
"Jesus würde wohl kaum verstehen, dass jemand meint, mich mit Gummibärchen oder Kugelschreibern von seiner Partei überzeugen zu können", schrieb die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Bild am Sonntag". "Diese lähmende Zähigkeit, die über der Wahl liegt, würde ihn befremden."
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Das Ergebnis des SPD-Mitgliedervotums wurde mit Spannung erwartet. Am Sonntag gab es dann Erleichterung bei der Parteispitze. Zwei Drittel der Basis geben grünes Licht für eine neue große Koalition.
Der Präsident des Diakonie-Bundesverbandes, Ulrich Lilie, beklagt den derzeitigen Stillstand in der Politik vor allem mit Blick auf soziale Probleme. "Drängende Fragen hängen in der Warteschleife - etwa die Zukunft der Pflege", sagte Lilie.
Es gebe "viele Zukunftsfragen, die viel zu wenig diskutiert werden: Kinderarmut in Deutschland, Unrecht in der Welt, Rüstungsexporte aus unserem Land in Krisenregionen der Erde", schrieb Käßmann.
Die frühere Ratsvorsitzende der EKD übte auch Kritik an AfD-Wählern. Unverständlich wären Jesus "sicher diejenigen, die ihr Kreuz bei der AfD machen, weil sie denken, wir zeigen es 'denen da oben" mal." Jesus, schrieb die Theologin, hätte ihnen vielleicht gesagt: "Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe" (Johannes 15,12)