Die weltweit erste Bischöfin

Maria Jepsen in ihrem Bischofssitz in Hamburg am 20. August 1992 vor ihrer offiziellen Amtseinfuehrung am 30.08.1992.

Foto: epd-bild/Stephan Wallocha

Maria Jepsen in ihrem Bischofssitz in Hamburg am 20. August 1992 vor ihrer offiziellen Amtseinführung am 30. August 1992.

Die weltweit erste Bischöfin
Vor 25 Jahren wurde Maria Jepsen im Hamburger Michel in ihr Amt eingeführt
Vor 25 Jahren, am 30. August 1992, wurde erstmals eine Frau als evangelisch-lutherische Bischöfin eingeführt. Maria Jepsen (47) nahm in der Hauptkirche St. Michaelis das Amtskreuz von ihrem Vorgänger Bischof Peter Krusche entgegen. Das Evangelium enthalte klare Worte "gegen Bevormundung durch patriarchal geprägte Menschen", sagte sie in ihrer Predigt vor rund 4.000 Gästen. Geltungsdrang sei auch in der Kirche immer wieder Ursache für Streitigkeiten. Auf Machtworte oder Autoritätsgehabe verzichtete sie denn auch während ihrer 18-jährigen Amtszeit.

Die Themen ihrer ersten Bischofspredigt wurden auch bestimmend für ihre Amtszeit. Jepsen erinnerte an die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen wenige Tage zuvor, den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien und die Hungerkatastrophe in Somalia. Maßstab der Kirche müssten die Menschen am Rand sein.

Die Männer müssten jetzt nicht "erschrecken ob einer Bischöfin", sagte Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) launig beim anschließendem Empfang im Rathaus. Manch einer könnte sich vielleicht "durch weibliche Spiritualität erlösen lassen". Er bedauere es, witzelte der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, dass er mit Vornamen nicht "Josef" heiße. Das würde zu Maria gut passen. Gute Beziehungen zum Erzbistum waren denn auch prägend für Jepsens Amtszeit.

Vier Monate zuvor, am 4. April 1992, war sie zur Bischöfin gewählt worden. Bereits im ersten Wahlgang erhielt sie im Michel 78 von 137 Stimmen. 44 erhielt ihr Gegenkandidat Michel-Hauptpastor Helge Adolphsen.

Eine liberale, feministische Theologin als Bischöfin

Dass die erste Bischöfin in der Nordelbischen Kirche gewählt wurde, war keine große Überraschung. Mit Schleswig, Lübeck und Hamburg standen gleich drei Bischofssitze zur Verfügung. Den ersten Versuch unternahm die Kieler Pastorin Rut Rohrandt Ende 1990 in Schleswig, verlor aber gegen den späteren Bischof Hans Christian Knuth. Im Sommer 1991 kandidierte Oberkirchenrätin Käthe Mahn (Hannover) in Lübeck vergeblich gegen Karl Ludwig Kohlwage. Im dritten Anlauf wurde die Männerbastion dann gebrochen.

Maria Jepsen bei ihrer Predigt während des Einführungsgottesdienstes.

Die Wahl einer liberalen, feministischen Theologin rief auch den Protest kirchenkonservativer Gruppen hervor. Der Tübinger Theologieprofessor Peter Beyerhaus erklärte ihre Wahl zur "schwersten geistlichen Katastrophe".

Bad in der Menge: Nach dem Eröffnungsgottesdienst als Bischöfin bekommt sie bei der Feier auf dem Michel-Vorplatz einen Patchwork-Wandteppich überreicht.
Wichtiger als die Frage nach Mann oder Frau sei es, konterte Jepsen, die Stimme der Kirche überhaupt in die Öffentlichkeit zu bringen. Unermüdlich war sie in der Stadt unterwegs, besuchte Aidshilfe, Hospize, Kitas, Krankenhäuser, Seniorenheime und Obdachlosenunterkünfte.

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Am 4. April 1992 wurde Maria Jepsen im Hamburger Michel zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin der Welt gewählt. Damals war sie 47 Jahre alt - jetzt wird sie 75 und genießt seit bald zehn Jahren ihren Ruhestand.
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Nahezu 2.000 Jahre lang blieb die Spitze der Kirchenhierarchie Frauen verschlossen. Das änderte mit der Wahl von Maria Jepsen zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin der Welt. Heute wird sie 75 Jahre alt.

Im April 2002 wurde sie für eine zweite zehnjährige Amtszeit wiedergewählt. Doch am 16. Juli 2010 erklärte die damals 65-Jährige ihren Rücktritt. Anfang des Jahres 2010 waren Fälle sexuellen Missbrauchs durch einen Pastor in Ahrensburg bei Hamburg bekanntgeworden. Sie übernahm die kirchenpolitische Verantwortung, obwohl ihr kein Vergehen nachgewiesen werden konnte. Sie habe "Schaden abwenden" wollen von Kirche und Bischofsamt, sagte sie später.

Zwei Monate später verließ sie Hamburg und zog mit ihrem Ehemann Peter nach Husum. "Ich bummele immer noch Überstunden ab", sagt die heute 72-Jährige. Sie engagiert sich für die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing, wo die Nazis ein KZ-Außenlager betrieben. Empfänge und Ehrenämter meidet sie. Stattdessen besucht sie Ausstellungen und Flohmärkte, unternimmt Spaziergänge und Radtouren. Regelmäßig übersetzt sie Texte aus dem Alten Testament: "Hebräisch ist voller Poesie und durchdringt das Leben bis in den profanen Alltag hinein."

Maria Jepsen schrieb Kirchengeschichte, als sie am 30. August 1992 im Hamburger Michel als erste evangelisch-lutherische Bischöfin der Welt in ihr Amt eingeführt wurde. 18 Jahre lang übte sie das Amt aus - so lange wie keiner ihrer Amtsvorgänger.

19. Januar 1945
Maria Bregas wird im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg geboren. 

1964-1970
In Tübingen, Marburg und Kiel studiert sie Altphilologie und Theologie. 

25. August 1972
In ihrer Vikariatszeit im Hamburger Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt heiratet sie Peter Jepsen, der ebenfalls Vikar in der Gemeinde war.

1972-1990
Nach ihrer Ordination übernimmt Maria Jepsen eine Pfarrstelle in Meldorf (Dithmarschen), fünf Jahre später in Leck (Nordfriesland).

1991-1992
Als erste Frau in der damaligen Nordelbischen Kirche wird sie Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg-Harburg.

4. April 1992
Weltweit zum ersten Mal wird eine Frau ins evangelisch-lutherische Bischofsamt gewählt. 

30. August 1992
Maria Jepsen empfängt im Michel das Amtskreuz von ihrem Vorgänger Bischof Peter Krusche.

28. April 2002
Bei ihrer Wiederwahl für eine zweite, zehnjährige Amtszeit bekommt sie 20 Stimmen mehr als bei der Premiere.

1. Oktober 2008
Nach der Neugestaltung der nordelbischen Bischofsbezirke wird Maria Jepsen Bischöfin im Sprengel Hamburg-Lübeck. 

16. Juli 2010
Die Bischöfin tritt zurück. Sie beklagt, dass ihr im Zuge der Ahrensburger Missbrauchsfälle fehlende Glaubwürdigkeit vorgeworfen wurde. Im Abschiedsgottesdienst am 19. November sagt sie, die traumatisierten Opfer hätten ein sichtbares Zeichen gebraucht.