"Lindenstraße"-Erfinder Geißendörfer empfand Glauben als Belastung

Der Filmproduzent Hans W. Geißendörfer

Foto: dpa/Henning Kaiser

Der Filmproduzent Hans W. Geißendörfer

"Lindenstraße"-Erfinder Geißendörfer empfand Glauben als Belastung
Der "Lindenstraße"-Produzent Hans W. Geißendörfer hatte lange ein problematisches Verhältnis zur Religion. Er sei als Kind mit Frömmigkeit überschüttet worden, sagte er der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt".

Es sei eine "sehr frühzeitige, oberflächliche" Erfahrung von Geborgenheit gewesen: "Als ich in die Pubertät kam, habe ich mich davon gelöst. Die Verehrung ist in Kritik umgeschlagen. Ich habe den Glauben als Belastung empfunden." Es habe lange gedauert, bis er zum Thema Glaube eine "normale, philosophische Distanz" gehabt habe, fügte Geißendörfer hinzu. Sein Vater war Militärpfarrer, verstarb im Zweiten Weltkrieg. Heute glaube er "nicht an nichts", sagte der Regisseur. Er glaube an die geistigen Leistungen des Menschen: "Über Generationen hinweg waren diese maßgeblich, sie haben sich am Leben orientiert. Ob Gott dahinter steht oder nicht, ist für mich nicht wichtig. Mir persönlich sind die Philosophen wichtiger als die Bibel."

Das Thema Glaube spielt auch in der kommenden Folge der "Lindenstraße" am Sonntag eine Rolle: Geißendörfer hatte im Vorfeld die Zuschauer darüber abstimmen lassen, ob eine Figur, die sich zur Konfirmation anmeldet, von ihren Eltern dabei unterstützt wird. 63 Prozent der Zuschauer bejahten dies. "Ich habe mehr Gleichgültigkeit erwartet. Es ist erstaunlich", sagte Geißendörfer. "Offenbar finden noch immer viele Menschen, dass die Religion ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur ist." Die "Lindenstraße" beteiligt sich damit an der ARD-Themenwoche "Woran glaubst du?" (11. bis 17.?Juni).

Die 1985 gestartete "Lindenstraße" ist die mit Abstand älteste Dauerserie im deutschen Fernsehen. Erfinder Geißendörfer produziert die Serie inzwischen mit seiner Tochter Hana.

Mehr zu Themenwoche
Deutschland ist nicht gerechter geworden.
Nur 15 Prozent der Deutschen denken, dass es in ihrem Land heute gerechter zugeht als noch vor zehn Jahren. Das ist eines der Ergebnisse einer am Donnerstag in Hamburg veröffentlichten repräsentativen Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des NDR für die ARD-Themenwoche.
ARD Themenwoche 2018 "Gerechtigkeit"
Mit der diesjährigen ARD-Themenwoche unter der Leitfrage "Ist das gerecht?" will der Senderverbund einen Beitrag zu einem offenen Diskurs leisten.